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EHEC: Was machte den Erreger so aggressiv?

VON ELISABETH PETRAS meist gelesen

EHEC sitzt auf Gurken, stammt aber aus Massentierhaltung

"Fragt nach den Wurzeln!"

Tier & Mensch e.V. und PAKT warnen vor Erregern durch Intensivtierhaltung

In den Medienberichten über die Fahndung nach der Herkunft der EHEC-Keime bleibt im Allgemeinen die eigentliche Quelle der Erreger unerwähnt: Die "moderne" Tier-"Produktion". Man muss sie genau unter die Lu­pe nehmen, wenn man in Zukunft vermeiden will, dass immer neue Lebensmittelvergiftungen oder Seuchen die Ver­brau­cher das Fürchten lehren. Das Übel muss an der Wurzel gepackt werden!

Heute wird den Tieren maximale "Leistung" abverlangt. Doch je größer die Getreidemengen sind, die Wieder­käuer fressen müssen, um die gewünschte schnelle Mastzunahme oder Milchmenge zu liefern, desto anfälli­ger sind sie für pathogene Darmkeime wie EHEC, und je mehr Tiere dicht zusammen im Stall ohne Weidezu­gang gehalten werden, desto krankheitsanfälliger werden sie. Damit benötigen sie häufige Antibiotika-Gaben. Erst bei massivem Antibiotika-Einsatz bilden sich Resistenzen. Auch der Escherichia-Coli-Typ, der zurzeit im Mittelpunkt steht, ist gegen etliche Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline und Cephalosporine resistent.

Woher stammen diese Keime? Denkbar ist die Düngung von Gemüse mit infizierter Gülle aus intensiver Stall­haltung. Trockendung ist vermutlich nicht auf demselben Hafengelände im Hamburg geladen oder gelagert wor­den, wo Gurken von einer Palette fielen. Wahrscheinlicher wäre es, dass ein Arbeiter des Großmarktes, im Hafen oder gar in Spanien mit EHEC infiziert war und die nötige Hygiene nicht beachtet hat. Seine Infek­tion könnte von tierischen Produkten stammen, die als nahe liegendes Überträgervehikel für den Darmkeim EHEC in Frage kommen. Die Betriebe, von denen die spanischen Gurken stammten, haben nach eigenen Aussagen kei­nen Kot aus der konventionellen Massentierhaltung zum Düngen der Gurken verwendet. Das wird hoffentlich mit Nachdruck geklärt!

Biobetriebe verwenden selten und nur im akuten Krankheitsfall Antibiotika. Weidehaltung wird von Biobauern bevorzugt und sorgt für gesunde Tiere. Bei Untersuchungen in Amerika wurde nachgewiesen, dass bei Rin­dern, die Heu und Gras fressen, vorhandene EHEC-Keime innerhalb weniger Tage drastisch zurückgingen, weil sich das Magen-Darmmilieu in einer für sie ungünstigen Weise verändert.

Der zurzeit ausgebrochene EHEC-Typ ist nur einer der gefährlichen Erreger aus der tückischen Truppe von Lebensmittelvergiftern, unter denen die Antibiotika-resistenten Krankheitskeime die bedenklichsten sind, de­nen eine hilflose Schulmedizin kaum noch wirksame Waffen entgegenhalten kann. Jedes Jahr infizieren sich in Deutschland nachweislich Tausende von Menschen an Salmonellen, Campylobakter und anderen Bakte­rien und leiden schwer unter Magen-Darm- und Kreislaufsymptomen. Die Dunkelziffer beträgt ein Vielfaches. Darunter sind einige Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Viele Patienten sterben – von diesen Toten hört man jedoch selten. Die Krankheitskeime entstammen in der Regel Produkten aus Massen­tierhaltungen, denn ohne Antibiotika ist eine Massentierhaltung mit Tausenden zusammengepferchten Puten, Masthühnern, Enten, Kaninchen, Rindern oder Schweinen kaum denkbar. Auch der multiresistente Staphylo­kokkus Aureus (MRSA), das in Krankenhäusern große Probleme bereitet, ist in Tierfabriken weit verbreitet (etwa 50% der Mastschweine und 80% der Mitarbeiter in großen Stallhal­tungen sind Träger!). Warum aber sind die so genannten "Intensiven Stallhaltungen" Brutkessel für Krankheitskeime, darunter eben auch zah­l­reicher Zoonosen? Die überzüchteten Tiere müssen weit über ihre naturgegebenen Möglichkeiten hinaus "Leistung" erbringen, sie stehen aufgrund von nicht artgerechter Haltung unter Dauerstress, werden nicht art­gerecht ernährt, tragen vielfach Verletzungen, leben auf ihrem Kot. Eine Infektion verbreitet sich unter die­sen Umständen explosionsartig aus. Nirgendwo sonst sind die Bedingungen so günstig, um zu aggressiveren Krank­heitserregern zu mutieren.

Der derzeitige EHEC-Ausbruch muss, so übel er für die Betroffenen auch ist, als Teil eines Gesamtproblems gesehen werden, auch wenn die massive Medienpräsenz alleine schon zu Bauchweh führen kann – der bra­ve Bürger fürchtet sich ja nun vor jeder Gurke, anstatt, was viel wichtiger wäre, die Finger von Produkten aus Tierfabriken zu lassen!

Es ist u. E. unfassbar, dass vor dem Verzehr von Gemüse gewarnt wird, ohne diesem Aspekt auch nur ein Wort zu widmen!

Tierärztin Karin Ulich (Tier und Mensch e. V.) und

Elisabeth Petras (Politischer Arbeitskreis für Tierrechte in Europa (PAKT) e. V.


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Autor:
[E/P]


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Artikel vom 28.05.2011


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