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DAK-Gesundheitsreport 2017 - Seelenleiden in der Region Freiburg nehmen zu

VON RAINER BEYER meist gelesen

Freiburg, 11. September 2017. Der Krankenstand in Freiburg und Umgebung ist 2016 gesunken. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen lagen bei 3,2 Prozent. Die Region hatte insgesamt einen etwas niedrigeren Krankenstand als der Landesdurchschnitt (3,3 Prozent). Laut DAK-Gesundheitsreport waren damit an jedem Tag des Jahres von 1.000 Arbeitnehmern 32 krankgeschrieben. Der höchste Krankenstand in Baden-Württemberg wurde mit je 3,7 Prozent im Main-Tauber-Kreis, im Ostalbkreis sowie im Stadtkreis Baden-Baden und im Landkreis Rastatt verzeichnet, der niedrigste mit 2,7 Prozent in der Landeshauptstadt Stuttgart.

Die aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit für Freiburg und die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen. Rückenschmerzen und Co. gingen zwar um ein Prozent zurück, führen aber weiterhin die Liste der häufigsten Krankheitsursachen an. Mehr als jeder fünfte Ausfalltag wurde von derartigen Muskel-Skelett-Erkrankungen verursacht. Psychische Beschwerden, zu denen Depressionen und Angstzustände gehören, nahmen um fünf Prozent zu. Mit einem Anteil von 20,3 Prozent am gesamten Krankenstand belegten diese Krankheitsarten nun den zweiten Platz. Die Region lag hier zudem über dem Landesschnitt. Atemwegsprobleme wie Bronchitis folgten an dritter Position. Die Fehlzeiten aufgrund dieser Diagnose gingen um 16 Prozent zurück.

"Wir informieren nicht nur regelmäßig über den Krankenstand in Freiburg und Umgebung, sondern schauen darüber hinaus auf wichtige Einflussfaktoren für Erkrankungen", sagt Rainer Beyer von der DAK-Gesundheit. "Diese Analysen helfen uns, noch gezielter beim betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) ansetzen zu können und Arbeitgebern konkret Hilfe anzubieten. So wird beispielsweise längeren Ausfallzeiten durch Rückenleiden oder seelische Probleme vorgebeugt."

Jeder elfte Baden-Württemberger hat schwere Schlaf-Probleme

Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport mit dem Schwerpunktthema "Schlafstörungen" auch, wie es um die nächtliche Erholung der Arbeitnehmer steht. Die Kasse wirft dabei einen Blick auf Ursachen und Risikofaktoren. Für das Schwerpunkthema wertete das IGES Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg aus. Es wurden zudem bundesweit mehr als 5.000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt und zahlreiche Experten eingebunden. Die Ergebnisse wurden mit einer DAK-Untersuchung aus dem Jahr 2010 verglichen. Ein Fazit: Knapp 80 Prozent der Erwerbstätigen in Baden-Württemberg berichten von Schlafproblemen. Seit 2010 stieg der Anteil der von Ein- und Durchschlafproblemen betroffenen 35- bis 65-jährigen Arbeitnehmer um 66 Prozent an. Schwere Schlafstörungen haben sich seit 2010 sogar verdoppelt. Jeder elfte Arbeitnehmer (9,1 Prozent) in Baden-Württemberg leidet unter schweren Schlafstörungen (Insomnien) mit Ein- und Durchschlafstörungen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung.

Die DAK-Analyse für Baden-Württemberg zeigt, dass sich dieser Trend auch bei den Krankmeldungen auswirkt. Die Fehltage aufgrund von Schlafstörungen stiegen um 97 Prozent auf jetzt 3,65 Tage je 100 Versicherte. Die große Mehrheit der Baden-Württemberger versucht allein mit den Schlafproblemen zurechtzukommen und geht nicht zum Arzt. Lediglich 3,6 Prozent der Erwerbstätigen waren im vergangenen Jahr deswegen in den Praxen. Im Bundesdurchschnitt sind es 4,8 Prozent. "Eine frühzeitige Abklärung der Ursachen von Schlafstörungen erleichtert die Behandlung", so Dr. Tobias Stächele, Psychotherapeut und Leiter der Ambulanz für stressbedingte Erkrankungen an der Universität Freiburg. "Leider kommen viele Betroffene oft erst nach jahrelanger Leidenszeit. Es gibt wirkungsvolle psychologische Behandlungsansätze. Je frühzeitiger eine gezielte Behandlung startet, desto schneller und hilfreicher die Wirkung". Selbst Erwerbstätige mit der schweren Schlafstörung Insomnie gehen meist nicht zum Arzt: 70 Prozent von ihnen lassen sich nicht behandeln.

Risiken Erreichbarkeit und Schichtarbeit

Ursache für Schlafprobleme sind laut DAK-Report Baden-Württemberg unter anderem Arbeitsbedingungen. Wer zum Beispiel häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, schwere Schlafstörungen zu entwickeln. Auch starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten in diesem Zusammenhang als wichtige Risikofaktoren. "Wer hohen Belastungen über längere Zeit stand zu halten hat, ist zusätzlich gefordert, auch seine Erholungsaktivitäten gezielt anzupassen. Schlafstörungen weisen darauf hin, dass der natürliche Rhythmus von Aktivierung und Erholung aus dem Gleichgewicht gerät", ergänzt Dr. Tobias Stächele zum Zusammenhang von Belastungsfaktoren und Gesundheit.

Zu viel abendliche TV- und Computer-Nutzung

Viele Arbeitnehmer in Baden-Württemberg sorgen aber auch selbst für einen schlechten Schlaf. Nach der Studie der DAK-Gesundheit schauen 80 Prozent der Erwerbstätigen vor dem Einschlafen Filme und Serien, 69 Prozent erledigen abends private Angelegenheiten an Laptop oder Smartphone. Etwa jeder siebte Baden-Württemberger kümmert sich noch
um dienstliche Dinge wie E-Mails oder die Planung des nächsten Arbeitstages. "Viele Menschen haben nachts das Smartphone an der Steckdose, können aber ihre eigenen Akkus nicht mehr aufladen", so Rainer Beyer. "Die Beschwerden müssen ernst genommen werden, da chronisch schlechter Schlaf der Gesundheit ernsthaft schaden kann."

DAK-Gesundheit bietet Schlaf-Beratung per Hotline an

Als Reaktion auf die aktuelle Studie und die zunehmenden Schlafstörungen bietet die DAK-Gesundheit ihren Versicherten ab sofort eine spezielle Schlaf-Beratung an: Die neue Hotline ist rund um die Uhr erreichbar. Unter der Rufnummer 040 325 325 805 geben Mediziner individuelle Hinweise und Tipps rund um die Themen Schlafen und Schlafstörungen. Im Internet bietet die DAK-Gesundheit auch ein umfangreiches Schlaf-Special an: Auf [1] gibt es viel Wissenswertes rund um das Thema gesunder Schlaf sowie ein Schlaftagebuch.

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten Krankenkassen Deutschlands. Sie hat 700.000 Versicherte in Baden-Württemberg, davon rund 43.000 in der Region Freiburg.


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Autor:
[R/B]


Artikel vom 11.09.2017


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